03-Sizilien | Tag 05 | Tunnel, Tempolimit, Taormina
Tag 5 ist angebrochen, und ein Tagesausflug steht an. Wohin? In das malerische Örtchen Taormina an der Ostküste Siziliens.
Doch zunächst stand eine kleine Odyssee an – aber eins nach dem anderen.
Nach einem abermals italienischen Frühstück (Mehlspeisen reichen echt irgendwann in der Früh…), packten wir unsere Rucksäcke und beluden unsere Pandina für die doch längere Reise von rund 220 km und knapp 3 h über Siziliens Autobahnen.
Was soll ich dazu sagen, ohne ein Hausverbot in Italien zu riskieren… Ich werde mich nie, nie, nieee mehr in Österreich über unsere Baustellen beschweren.
Mal abgesehen von nicht beleuchteten Tunneln (Umluft gibt’s hier sowieso nicht) inklusive Gegenverkehr, sind die Linienführungen und Straßenschilder für normale Menschen einfach nicht zu lesen oder zu verstehen. Angebliche 50 km/h bei zwei weitläufigen Spuren – versus 110 km/h bei Abschnitten, wo ich mich als Vielfahrer gerade mal 70 trauen würde. Dazu überall Blitzer und Kameras, die die Einheimischen aber herzlich wenig interessieren.
Ich versuchte mich also am Verkehrsfluss zu orientieren und hoffe, keine unschönen Briefe nach Hause geschickt zu bekommen. Sollten sizilianische Beamte dies lesen: Mi dispiace, ho davvero cercato di adattarmi alle regole e alla situazione. Siate pazienti, mi piacerebbe tornare e investire più soldi nel turismo – Entschuldigung, ich habe wirklich versucht, mich an die Regeln und die Situation anzupassen. Habt Geduld, ich möchte gerne zurückkommen und mehr Geld in den Tourismus investieren..
Die zuletzt noch von mir gelobten – trotz chaotisch wirkenden – aber dennoch vorausschauenden Verhaltensweisen der Autofahrer? Auf der Autobahn offenbar vergessen oder nie erlernt. Unsere Pandina musste öfter klein beigeben, da sie die Steigungen nicht wirklich schaffte und sogar hinter LKWs zurückfallen musste. Und da soll mal einer sagen: PS retten keine Leben…
Dezent gestresst und genervt kamen wir unserem Ziel zum Glück immer näher – doch die letzte Herausforderung wartete noch kurz davor: Serpentinen mit einer Steigung, die ihresgleichen sucht. Gott, wenn diese Stadt kein Juwel ist…
Kurz vor der Altstadt gibt es zum Glück ein bewachtes (wenn auch etwas in die Jahre gekommenes) Parkhaus, in dem wir unsere Pandina sicher abstellen konnten.
Mili traute sich schon gar nichts mehr zu sagen, da sie merkte, dass ich jeden, der mir blöd kommt, wahrscheinlich gefressen hätte. Doch dann lichteten sich meine inneren Gewitterwolken, als wir vom Parkhaus auf den Hauptplatz stiegen.
So stelle ich mir Italien vor – wie aus einem Postkartenkalender: verwinkelte Gassen mit bunten Balkonen voller Blumen, terrakottafarbene Mauern, dazwischen kleine Boutiquen, Trattorien, Bars mit Aussicht. Die Altstadt liegt spektakulär auf einem Felsrücken – rechts der Blick auf das tiefblaue Ionische Meer, links ragt majestätisch der Ätna empor. Dazu ein Schuss Dolce Vita und der Geruch von Zitronen, Espresso und Sonnencreme – fertig ist die Kulisse. Kein Wunder, dass das hier die Schönen, Reichen und Influencer dieser Welt anzieht. Und wir mittendrin.












Wir flanierten also durch die Straßen und suchten uns erst mal etwas zu essen – wie kann es anders sein, in der Mittagshitze. Bruschetta und Panini natürlich 😉
Dabei fiel uns auch gleich auf, dass die Preise hier deutlich höher ausfielen als bisher gewohnt (z. B. Panini 10 statt 5 €). Aber gut – Taormina ist halt eine echte Touristenhochburg. Merkt man auch sofort an den Englisch sprechenden Einheimischen.
Durch die lieben Gassen spazierten wir zum alten Theater, das von den Griechen etwa 300 v. Chr. erbaut wurde – und staunten nicht schlecht. Was will man bei einem Theater mehr, als im Hintergrund den Ätna zu sehen, und links davon das italienische Festland samt seiner malerischen Meeresküste? Und das alles auf einem Berg. Einfach WOW.






Natürlich musste auch das ein oder andere Souvenir wieder eingepackt werden – gegen ein geniales Olivenöl musste ich mich dann leider doch entscheiden. Die 100ml-Grenze im Flieger kann einem echt die Nerven rauben.
Schließlich gönnten wir uns auf dem Weg Richtung Auto noch ein Eis, und je näher wir jenem kamen, desto mehr setzte mein Frust über die lange Heimreise wieder ein… Aber was soll’s – es war’s allemal wert!
Im Hotel wieder angekommen, brauchten wir natürlich wieder ein Abendessen. Also suchten wir das gleiche Restaurant wie am zweiten Tag auf, um wieder einen Meeresfrüchtesalat (aufmerksame Leser wissen: der wurde nicht ordentlich fotografiert) sowie frittierte Calamari und einen im Ganzen Gegrillten zu genießen (fuck, war der groß).



Wieder erledigt von der Reise suchten wir schließlich unser Hotelzimmer auf und machten uns bereit für morgen – unseren letzten, erholsamen Tag am Strand.
Trotz aller Unzufriedenheit und Stressmomente – Taormina, es war mir ein Volksfest. Ich hätte mich geärgert, dich nicht gesehen zu haben. Grazie mille – und bitte keine Strafzettel zuschicken!