01-Dubai | Tag 06 | Abu Dhabi: Kultur, Moscheen und märchenhafte Einblicke
Tag 6: Zwischen Bauarbeiten, schlaflosem Morgen und dem Kulturerbe von Abu Dhabi
Der sechste Tag begann mit… naja, ehrlich gesagt mit einer Nacht, die man lieber schnell vergessen möchte. Dubai, die Stadt, die nie schläft, hat sich diesmal etwas zu wörtlich genommen und die Bauarbeiten scheinbar auf „Nachtmodus“ geschaltet. Um 4 Uhr in der Früh knallte es, als würde man den Boden für eine neue Autobahn sprengen, und die Lautstärke hätte selbst die besten Ohrstöpsel der Welt besiegt. Eine Stunde Schlaf musste reichen, denn es stand ein ganztägiger geführter Ausflug nach Abu Dhabi an – auch wenn ich mir mit Streichhölzern die Augen offen halten musste.
Nach einem schnellen Frühstück wurden wir um 7:45 Uhr abgeholt. Eine kleine Tour durch Dubai folgte, um die anderen Teilnehmer einzusammeln (inklusive unserer „Lieblingsnachbarn“ – Österreicher sieht man hier doch deutlich weniger). Wenigstens konnte ich die Busfahrt nutzen und 1–2 Stunden Schlaf nachholen.
Ein herzlicher Guide und die Ferrari World
Unser Guide, ein herzensguter Ägypter mit tadellosem Deutsch, begrüßte uns herzlich und erklärte charmant und geduldig das Programm für den Tag. Sein Name? Ich gebe zu, die arabischen Vokale und mein Gehör – keine Chance. Aber er war so freundlich, dass es egal war. Während der Fahrt versorgte er uns mit Infos zur Geschichte und Kultur von Abu Dhabi.
Er erklärte uns, dass Abu Dhabi im Vergleich zu Dubai wesentlich ruhiger und entspannter ist. Die Menschen dort haben das Geld und die Zeit, während in Dubai alles etwas hektischer zugeht. Interessanterweise ist es günstiger, in Dubai zu wohnen als in Abu Dhabi. Obwohl Dubai so extravagant wirkt, kommt die finanzielle Unterstützung tatsächlich oft von Abu Dhabi. Es scheint, als wäre Dubai der energiegeladene jüngere Bruder, der ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Ding ist, während Abu Dhabi der reiche Onkel ist, der die Rechnungen bezahlt.
Der erste Stopp führte uns zur Ferrari World, dem „heiligen Gral“ für Formel-1-Fans, direkt neben der berühmten Rennstrecke, auf der nächsten Monat das große Finale stattfindet. Seit Wochen hatte ich mich darauf gefreut, die schnellste Achterbahn der Welt auszuprobieren, die angeblich über 240 km/h erreicht! Doch, wie könnte es anders sein – die Bahn war leider außer Betrieb. Schade, aber die Gruppe ließ den Stopp trotzdem für ein paar Fotos nicht aus.

Kultur im Louvre und die Vision des Scheichs
Nächster Halt: der Louvre Abu Dhabi, ein echtes architektonisches Meisterwerk. Unser Guide erklärte uns, dass allein die Baukosten bei rund 2,1 Milliarden Dollar lagen, und dass Abu Dhabi sogar noch mal 600 Millionen an Frankreich zahlen musste, um den Namen „Louvre“ bis 2042 nutzen zu dürfen. Das Gebäude selbst ist eine Hommage an die Kulturen der Welt, und innen gab es Stücke aus fast allen Epochen und Regionen zu sehen.
Der Scheich von Abu Dhabi legt großen Wert auf Kultur und Bildung. Im Gegensatz zu Dubai, das ständig nach vorne prescht, nimmt sich Abu Dhabi die Zeit, solche kulturellen Monumente zu erschaffen. Mit Ölreserven, die noch für die nächsten 100 Jahre reichen und einer täglichen Produktion von 2,9 Millionen Barrel, hat Abu Dhabi auch die finanziellen Mittel dazu.
Nur etwa 7% der Bevölkerung Abu Dhabis sind Einheimische. Der Rest sind Expatriates und Gastarbeiter. Dennoch sind die Einheimischen sehr wohlhabend. „Arme“ Menschen verdienen hier etwa 8.000 €, während es in Dubai „nur“ 7.200 € sind. Das erklärt vielleicht auch, warum es in Abu Dhabi teurer ist zu wohnen als in Dubai.
Direkt in der Nähe des Louvre befinden sich die Abrahamic Family House, das Islam, Judentum und Christentum unter einem Baukomplex vereint und als Symbol für den Frieden und das harmonische Zusammenleben dieser Religionen dient. Ziemlich beeindruckend, was hier für die Völkerverständigung gemacht wird.






Paläste, Recht und die strengen Regeln Abu Dhabis
Nach dem Louvre fuhren wir an den Palästen der Scheichs und Minister vorbei. Zugegeben, meine Vorstellungskraft für die Dimensionen der Paläste war doch sehr begrenzt, und ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Fotografieren war allerdings nicht erlaubt, aber unser Guide erzählte uns einige interessante Details.Die Türen des Scheichs stehen (tatsächlich!) immer offen, und wer ein echtes Problem hat, kann ihn persönlich um Rat fragen – vorausgesetzt, es ist nichts Banales.
Es stellte sich auch heraus, dass bei einer Hochzeit zwischen Abu-Dhabiern eine Villa und rund 70.000 € als Geschenk winken. Wenn nur ein Teil einheimisch ist, gibt es immerhin noch 20.000 €. Da zumindest für Männer Polygamie erlaubt ist, könnten sich hier interessante „Geschäftsmodelle“ auftun. Allerdings, wie der Guide erklärte, müssen alle bestehenden Frauen einer neuen Ehe zustimmen – und der Mann hat dann die Pflicht, alle gleich zu behandeln. Eine Tasche für eine Frau bedeutet auch Taschen für alle anderen. Ganz schön stressig, oder?
In Abu Dhabi dürfen ausländische Millionäre in bestimmten Gebieten nur mieten, aber nicht kaufen. Der Scheich möchte das Land nicht verkaufen, um die Kontrolle zu behalten und die Kultur zu schützen.
Es gibt einen Gerichtshof in Abu Dhabi, der allerdings tatsächlich nur montags von 09:00 bis 11:00 Uhr geöffnet hat. Warum? Weil die Kriminalitätsrate bei nur 0,1% liegt! Sollte man sich danebenbenehmen, wird man sofort in den nächsten Flieger nach Hause gesetzt und darf das Land nicht mehr betreten. Das schreckt offenbar ziemlich gut ab.
Auf den Autobahnen, auf denen man bis zu 140 km/h fahren darf, steht alle 2 km eine Radarfalle. Neben saftigen Strafen ist der Führerschein nach drei Vergehen weg. Man hält sich hier also an die Regeln – oder man ist schnell wieder draußen.
Mittagessen und Oasendorf im Heritage Village
Zur Mittagszeit war ein Stopp im arabischen Restaurant „Alasalah“ geplant, wo wir uns an einem reichhaltigen Buffet bedienten. War das Essen weltbewegend? Vielleicht nicht, aber es füllte den Magen und gab Energie für die zweite Tageshälfte. Auch durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben Kamelfleisch probieren – geschmacklich erinnert es an eine etwas zähere Wildkuh, soll aber unglaublich gesund sein. Anschließend fuhren wir ins Heritage Village, ein Oasendorf, das die traditionelle Lebensweise und die Geschichte Abu Dhabis veranschaulicht.
Beim Betreten eines arabischen Hauses erhält man übrigens immer einen Kaffee. Ist die Tasse halb voll, ist man willkommen und der Zeitpunkt passt. Ist die Tasse voll, hat der Gastgeber gerade wenig Zeit, und man sollte sich kurzfassen. Jetzt verstehe ich auch, warum bei unserer Ankunft im Wüstencamp die Tasse nur halb voll war.






Die Sheikh Zayed Grand Mosque – ein monumentales Meisterwerk
Zum krönenden Abschluss besuchten wir die Sheikh Zayed Grand Mosque, die drittgrößte Moschee der Welt. Dieses imposante Bauwerk fasst über 45.000 Menschen und beherbergt den größten Kronleuchter der Welt, geschmückt mit Swarovski-Kristallen. Da Mili und ich schon zuvor traditionelles Gewand gekauft hatten, fühlte sich der Besuch noch authentischer an. Man spürte den Respekt, der diesem heiligen Ort entgegengebracht wird, und die Kleiderordnung galt für Männer wie Frauen.
Die Moschee war schlichtweg atemberaubend. Der Marmor, die Kunstwerke, das sanfte Licht – es war eine erhabene Atmosphäre, die mich für einen Moment innehalten ließ. Natürlich mussten wir ein paar (hundert) Fotos machen, um diesen Moment festzuhalten.















Rückfahrt nach Dubai und Rooftop-Sushi mit Saxophon
Nach dem Moschee-Besuch ging es zurück nach Dubai, und nach einer weiteren Stunde Stau erreichten wir endlich unser Hotel. Zum Abschluss des Tages gönnten wir uns das langersehnte Sushi auf unserer Rooftop-Bar – ein Plan, den wir schon vor der Reise geschmiedet hatten. Die Aussicht, das Sushi und ein Live-Saxophonist, der zu DJ-Musik spielte, rundeten den Tag perfekt ab.


Trotz der schlaflosen Nacht war es ein genialer Tag voller Kultur und unvergesslicher Eindrücke. Morgen steht unsere letzte geführte Tour durch Dubai an, bevor die Heimreise ruft. Bis morgen!